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Der Tag an dem Frau K starb

Aufstehen. Pah, wie ich das hasse um die Uhrzeit. Jeden Tag um 6 Uhr in der früh klingelt mein Wecker, und jedes mal hab ich keinen Bock aufzustehen. Na ja was soll's, ich bin jetzt in der 8.Klasse und habe noch 4 Jahre Schulstress vor mir, und dann nix wie weg. Was meine Eltern immer reden, "Ja ja mein Jung, du wirst dich noch zurücksehen an deine alte Schule" wie ich diesen Satz hasse, die haben doch keine Ahnung mehr wie es heute in der Schule ist. Es war echt mal wieder so ein Tag wo schon alles schlecht anlief. Es regnete draußen und es war ein verdammt kalter Herbstmorgen. Ich lief, wie jeden Früh, halb schlafend durch unsere Küche und versuchte mir mein Frühstück zu machen. Wenn ich dran denke, das manche meiner Mitschüler früh zusammen mit ihren Eltern essen, hmm unvorstellbar. Meine Eltern sind beide Ärzte und wenn ich aufstehe, arbeiten sie beide schon ein paar Stunden. Aber ich glaube das ist auch gut so, weil morgens bin ich echt nicht sehr ansprechbar. Ich verbrachte also meine restlichen 10 Minuten damit mein Frühstück zu essen und ging aus dem Haus. Man man, schon wieder ziemlich spät dran. Ich weiß auch nicht, aber jedes Mal, wenn ich zeitiger aufstehe, habe ich am Ende mehr Zeitdruck, als wenn ich verschlafen habe, ist schon komisch. Ich rannte also wieder mal ein bisschen damit ich die 1. Stunde gerade noch pünktlich schaffe. Es goss jetzt echt in Strömen und ich hatte natürlich keinen Schirm dabei. Im Vorbeirennen an unserer Post, sah ich einen Vogel wie er ständig versuchte sein Gefieder trocken zu bekommen was natürlich bei Dauerregen unmöglich wahr. Ist schon lustig diese Tierwelt dachte ich. Ich hatte noch ungefähr 300 Meter zu laufen als ich am Haus von Frau K. vorbeikam. Ich habe echt keine Ahnung für was das K. steht. Ich kenne sie nur dadurch das meine Mom sich öfters beim Einkaufen mit ihr unterhält, und sie, glaub ich, so einen komischen Namen hat, den ich kaum buchstabieren kann. Ich nenne sie daher einfach Frau K. das kann man sich besser merken und aussprechen. Wie auch immer, ich rannte also an ihrem Haus vorbei und wunderte mich, weil ein Krankenwagen davor stand, und ein zweiter, großer schwarzer Wagen. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie hatte ich diesen Drang hinzugehen, um zu schauen was los war. Ich lief über die Strasse und versuchte in ihr Haus zu spähen. "Was ist da los?", ich fühlte mich echt wie so ein Rentner, der ständig alles wissen muss was um ihn passiert, es war schon komisch aber ich war auch total neugierig. Ich konnte nix erkennen bis sich auf einmal die Tür öffnete, und ein Sanitäter herauskam. "Na Junge, hättest wohl mal lieber einen Schirm mitgenommen.". "Ja hätte ich machen können, aber was ist denn hier los?". Die Miene des Sanitäters wurde auf einmal, hmm wie soll ich sagen, versteinert. "Bist du ein Verwandter, von dieser älteren Dame?". "Nein, nein aber meine Mom kennt sie. Was ist denn passiert?". Der Sanitäter antwortete nicht gleich. "Der älteren Dame geht's nicht so gut, sie ist sehr krank." "Muss sie ins Krankenhaus?". "Ähm, das wird man sehen. Musst du nicht in der Schule sein?". Oh ja, verdammt das hatte ich jetzt ganz vergessen. "Ja klar, sagen sie ihr gute Besserung von mir, sagen sie von Ben. ". "Ja mache ich.", hörte ich den Sanitäter noch hinterher rufen, denn ich war schon losgerannt. So ein Mist, dachte ich mir, jetzt hast du echt schon 5Minuten von der 1. Stunde verpasst, das wird wieder was geben. Ich rannte in die Schule, und riss mit einem riesen Ruck die Tür auf. Das gab vielleicht erst was. "Aha der Ben, kommt man mal wieder zu spät? Du gehst jetzt sofort raus und klopfst an bevor du hier reinkommst und ich möchte eine Entschuldigung hören." Alle in der Klasse lachten und Frau Peters rief mit ihrer, wirklich sehr hohen Stimme "Ruhe!!". Ich trat also vor die Tür machte sie wieder zu und klopfte an. "Herein. ". "Guten Morgen Frau Peters, ich habe es leider nicht geschafft pünktlich zu kommen, mein Wecker hat nicht geklingelt." "So so Ben, dein Wecker hat nicht geklingelt. Ist schon komisch, aber dein Wecker scheint ja ziemlich häufig nicht zu klingeln. Du weißt das ich einen Eintrag machen muss, da das schon das fünfte Mal in den letzten 3 Wochen ist.". "Ja das weiß ich", sagte ich kleinlaut. "So jetzt setzt dich hin, wie waren gerade dabei das Gedicht auf Seite 35 zu lesen." Ich setzte mich also auf meinem Platz, der ganz hinten am Fenster war. Ja ich war einer derjenigen, der immer allein sitzen musste, damit er nicht Unsinn macht... . Die Stunde verging für mich wie im Flug, da ich in keiner Minute aufmerksam war. Ich musste immer an Frau K denken. In der Frühstückspause unterhielt ich mich mit Dennis und Thomas, ob sie Frau K kennen. "Frau K? Keine Ahnung wer das ist. Kennst du eine Frau K, Thomas?". "Nie gehört. Was willst du denn von ihr?". "Na ja, ich kenne sie von meiner Mutter. Sie ist anscheinend sehr krank, zumindest waren heute früh Ärzte bei ihr im Haus und ich war grad da und, na ja hab sie halt gefragt was los ist.". "Und", fragte Dennis, "was ist nun los?". "Ich weiß es nicht, ich musste doch zur Schule, deswegen kam ich doch zu spät." Läuten. Die Pause war vorbei. Jetzt Ethik, was für ein langweiliges Fach. Auch diese Stunde ging für mich sehr schnell vorbei, und ich musste, Gott sei dank auch, auch nicht zur mündlichen Kontrolle vor, weil ich hätte echt nix gewusst. Als nächstes hatten wir 2 Stunden Sport, und dann war endlich die Schule aus. Die 2 Stunden Sport wären eigentlich ganz gut gewesen, wenn mir nicht wieder was passiert wäre was alle zum Lachen gebracht hat. Wir hatten Bockspringen, und es klappte auch ganz gut, bis ich mit der Hocke dran war. Ich nahm Anlauf sprang auf das Sprungbrett und, ja dann nahm ich den Bock wie er war und stieß ihn im Sprung um. Sehr, sehr lustig anscheinend, zumindest für die anderen... . Aber auch das war mir an diesen Tag egal, ich wollte wissen wie es Frau K geht. Ich fragte Dennis und Thomas ob sie mitkommen wollte, wie es Frau K geht, aber sie sagten sie hätten beide keine Zeit. Ich ging also alleine nach der Schule zu Frau K. Als ich ankam klingelte ich, aber es machte keiner auf. Ich versuchte es noch einmal aber wieder nichts. Auf einmal kam von hinten eine Stimme. "Frau Krojiciek ist nicht da, sie wurde heute früh ins Krankenhaus gebracht.". Ja sie hatte wirklich einen sehr schwierigen Namen. "Ins Krankenhaus?", sagte ich "in welches denn?". "Ich glaube ins Georg, aber ich bin mir nicht sicher.". "Aha, danke." "Sie ist im Krankenhaus!? Hmm dann muss es wohl echt schlimm sein" dachte ich. Ich weiß bis heute nicht warum, aber irgendwie zog es mich dorthin. Ich wollte wissen wie es ihr ging und das, obwohl ich sie selber kaum kannte und dann eigentlich einen Zahnarzttermin um 1500Uhr hatte. Ich lief also zur nächsten U-Bahn Stadion und schaute ob es eine Haltestelle Georg-Krankenhaus gab. Mist keine, also musste ich fragen. Am Schalter warte ich doch tatsächlich 30 Minuten, ehe ich dran war. Erst war es bloß eine viertel Stunde, aber dann drängelte sich so ein Wichtigtuer von Erwachsenem vor, und meinte zu mir, als ich ihn sagte das ich dran wäre, das doch Kinder genug Zeit hätten und ich ihn daher auch noch abwarten könnte. Die Frau am Schalter lächelte mir zu und nahm in dran. Ja Erwachsene behandeln einen immer wie ein Kleinkind, egal wie alt man ist, wenn man nur jung genug aussieht. Als ich dann endlich dran war fragte ich, wo das Georg-Krankenhaus wäre. "Na meine Kleiner, was willst du denn da?". Kleiner, pah. "Ich wollte meine Oma besuchen, sie ist dort heute früh eingeliefert wurden." Es wäre sinnlos gewesen zu erklären wer Frau K von mir eigentlich ist, nämlich eigentlich niemand. "Na dann pass mal auf", sagte die Frau am Schalter, "du fährst mit der U3 Richtung Kleinfelde 5 Haltestellen und dann steigst du aus. Dann ist es ungefähr 100 Meter von der U-Bahn Stadion entfernt. Und falls du es nicht findest fragst du noch mal ok!?". "Hält die mich für blöd" dachte ich, aber ich sagte höflich danke. Ich fuhr also mit der Bahn die 5 Haltestellen, und stieg dort aus. Ich fand es gleich, weil überall Schilder waren, wo ich lang muss. Und die dachte ich finde es nicht. Als ich in der Eingangshalle des Krankenhauses war musste ich dran denken, wo ich dort mal lag, weil ich mir mein Bein gebrochen hatte. Ich mochte diesen Ort nicht. Ich lief zu dem Tisch, wo ein Schild mit der Aufschrift "Anmeldung" drauf stand und fragte ob eine ältere Frau heute früh eingeliefert worden sei. "Wie heißt denn deine Omi", fragte mich die Frau, die hinter dem Tisch saß. Warum denkt sie das es meine Oma wäre hmm egal. Wie hieß ihr Name? "Ähm Frau Kroischnek oder so.". "Was heißt dennn oder so? Weißt du den Namen deiner Oma nicht mein Junge?". Man sie ist nicht meine Oma, wie mache ich ihr das jetzt klar. "Ähm ja sie hat so einen schwer auszusprechenden, irgend so was in der Art ist es aber.", ich log aber das war jetzt glaub ich am besten, sonst fragt die mich vielleicht sonst noch was. "Ok ich schaue mal nach. Hmm also heute ist niemand mit einem Hinternamen mit K eingeliefert wurden. Tut mir leid.". "Wirklich nicht", fragte ich noch mal nach. "Nein mein Junge, wirklich nicht." Ich ging aus dem Krankenhaus und war nicht wirklich glücklich. Total umsonst hierher gefahren, so ein Mist. Und den Termin beim Zahnarzt kann ich auch vergessen, es war kurz nach halb vier. Mom wird sich freuen. Der Nachbar oder wie immer der hieß musste gelogen haben. So ein Blödmann dachte ich. Ich fuhr mit der U-Bahn zurück nach Hause und fragte mich die ganze Zeit in welches Krankenhaus Frau K denn nun eingeliefert worden sei. Aber in einer Großstadt ist es nicht wirklich sinnvoll alle Krankenhäuser abzufahren. Ich kam zu Haus an, und wurde natürlich entsprechend begrüßt. "Wo warst du denn, verdammt noch mal, ich hatte dir doch gesagt das wir heute einen Zahnarzttermin haben." "Ich weiß aber, ....". "Was aber? Oh geh mir aus den Augen, nur Ärger mit dem Jungen. Deine Klassenlehrerin hat mich auch schon angerufen das du wiederholt zu spät gekommen bist. Was soll nur aus dir werden?". "Aber Mom, es war doch wegen". "Ach komm, lass mich in Ruhe mit deinen Ausreden, geh hoch in dein Zimmer." Ich ging in mein Zimmer und hatte ein total schlechtes Gefühl. Sicher ich war wiedereinmal zu spät zur Schule gekommen, und habe jetzt auch noch den Zahnarzttermin verpasst. Aber es war doch alles wegen Frau K. Ich begab mich also in mein Zimmer und begann gleich mit den Hausaufgaben, weil ich wollte, das, wenn Mom reinkommt, sie sieht das ich mich um die Schule kümmere, und sie sich keine Sorgen machen muss. Mom kam aber erst nach 2 Stunden in mein Zimmer, wo ich natürlich schon längst mit den Hausaufgaben fertig war und Fernsehen schaute. "So ist mein Junge, anstatt Hausaufgaben zu machen, schaut er Fernsehen.". "Ich habe sie schon gemacht, auch die für nächste Woche", sagte ich leise. "Echt? Zeig mal her!". Ich zeigte ihr meine gemachten Hausaufgaben. "Oh es tut mit leid" sagte Mom, "aber was war denn nun heute früh los, und warum kamst du denn so spät?" Ich erzählte ihr das ich heute früh zwar spät dran war es aber geschafft hätte ich nicht bei Frau K angehalten hätte. "Du weißt es schon?" fragte sie mich? "Was soll ich wissen?". Ich wusste nicht genau was sie von mir wollte. Weiß sie wo Frau K eingeliefert wurde und an was sie erkrankt ist? "Sie ist heute morgen gestorben, sie hatte eine schwere Lungenentzündung." "Gestorben? Aber ich wollte sie doch besuchen gehen, und der Herr hmm ist ja auch egal, hat mir doch gesagt sie liegt im Georg-Krankenhaus und ich war da aber dort war sie nicht und Gestorben?". "Komm mal her." Sie drückte mich fest an sich. "Sie hat leider ihre Krankheit nicht mehr besiegen können, da sie letztes Jahr schon eine Lungenentzündung hatte, hat sie keine Kraft mehr gehabt dagegen anzukämpfen.". "Aber warum muss sie denn gleich sterben? Konnte man sie denn nicht noch retten?". Ich wollte es einfach nicht verstehen das sie gestorben war. Ich weiß auch nicht, ich habe mich nie wirklich für sie interessiert, aber heute war es anders. "Mein Junge. Für jeden Menschen kommt irgendwann einmal die zeit wo er einen anderen Weg auf dieser Welt einschlägt. Frau Krojiciek war immerhin schon 78, viele Menschen sterben viel früher. " "Aber ich will keinen anderen Weg gehen, ich möchte hier sein, bei euch und allen". Sie drückte mich noch fester und ich merkte das eine Träne auf meinen Kopf fiel. Sie hielt mich noch mindestens 15 Minuten so. Dann ging sie mit mir herunter und machte mir mein Lieblingsessen. Nudeln. Als ich am Abend ins Bett ging kam sie noch mal zu mir ins Zimmer und gab mir einen Riesen Knutscher auf die Wange. "Och Mom." Ich mochte solche Küsse nicht wirklich. "Ich hab dich lieb. Schlaf schön." Sie ging aus meinem Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Ich konnte nicht gleich einschlafen, da ich immer noch an Frau K denken musste. Wie sie war und so. Nach einer Weile fielen mir die Augen zu. Ich werde diesen Tag nicht vergessen, der Tag an dem Frau K starb.

 


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Last Update: Sunday, November 21, 2004
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